Zur Zeit wohnen meine Freundin und ich in einem Haus, um dieses und den dort lebenden altersschwachen Hund zu betreuen. Klassisches Housesitting also. Obwohl hier zweimal in der Woche auch eine Putzfrau für Ordnung sorgt (was für ein Luxus), sind wir leider gezwungen, hin und wieder den Geschirrspüler zu benutzen. Und dann bekomme ich Probleme, massive Usability-Probleme.
Wir erinnern uns: die Usability ist die Benutzerfreundlichkeit oder auch Gebrauchsfreundlichkeit eines Produktes. Ich persönlich kenne dieses Schlagwort aus dem Bereich der Webentwicklung. Erfolgreiche Webseiten müssen “einfach” sein, klare Navigationsstrukturen aufweisen und aufschlussreiche Rückmeldungen an den Nutzer geben. Ein gutes Buch zum Thema ist beispielsweise “Don’t make me think!” von Steve Krug.

“Don’t make me think!” denke ich auch immer wütend, wenn ich nun hier im Haus vor dem Geschirrspüler stehe und versuche, diesen kontrolliert in Gang zu bringen. Denn dieses Bedienpanel gibt mir Rätsel auf.

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Was mich massiv verwirrt, sind die vier Ziffern auf dem Bedienrad. Irgendwie bekomme ich die nicht sinnvoll mit den Icons in Zusammenhang gebracht. Außerdem finde ich die Icons irgendwie nicht wirklich selbsterklärend.

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In diesem Symbol sehe ich z.B. “Dampf”. Hier passiert also irgendwas mit “Dampf”. Okay.

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Hier hätten wir eine Sonne. Das sehe ich jedenfalls in dem Symbol. Die Option werde ich heute nachmittag mal nutzen, wenn wir die Erdbeertorte auf der Terrasse essen wollen.

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Hier wäre der Regen dazu. Nein, ich versteh schon, das ist irgendeine Option/Zustand mit “Wasser” oder “Sprühen” oder Ähnlichem. Dass man das so explizit visualisieren muss, verstehe ich nicht. Das in einem Geschirrspüler Wasser zur Reiniung verwendet wird, setze ich eigentlich voraus. Hmm.

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Hier hätten wir eine Bürste. Kann das Ding auch Schuhe putzen?

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Und zum Abschluss mein absolutes Lieblingssymbol! Die beregnete Rutsche. Könnte auch eine umgekippte Wanne sein.

Mein Bedienkonzept des Geschirrspüler sieht, resultierend aus der maximal möglichen Verwirrung, nun so aus:

  1. Hauptschalter ein.
  2. Man drehe das Bedienrad eine Raste weiter.
  3. Akkustische Überprüfung: Tut sich was?
  4. Ja – warten. Nein – zurück zu Punkt 2
  5. Akkustische Überprüfung: Fertsch?
  6. Ja – Gerät öffnen. Nein – warten
  7. Visuelle Überprüfung: Geschirr sauber?
  8. Nein – Gerät schließen und zurück zu Punkt 2. Ja – Unbemerkt vom offenen Gerät entfernen und hoffen, dass die Freundin ausräumt.

Jetzt könnte man sagen: RTFM – “Read the fucking manual!”. Das stimmt wohl. Aber: ich denke man sollte heutzutage verlangen können, die Grundfunktionen scheinbar einfacher Geräte auch ohne Bedienungsanleitung zu verstehen. In der Webentwicklung beispielsweise wird (von guten Firmen) auf die gute Usability von Webseiten großer Wert gelegt. Bei den Entwicklern von Haushaltsgeräten scheint das Thema noch nicht ganz so populär zu sein. Wie dieses Gerät beweist.

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